Mit Zivilgesellschaft und Daten zur Mobilität der Zukunft

Mit zwei ganz unterschiedlichen Fragestellungen beteiligte sich das BWIM am 12./13. Mai an der Deutschen Konferenz für Mobilitätsmanagement (DECOMM) 2026 in Frankfurt am Main. Beide Sessions zielten darauf ab, wichtige Treiber der Mobilitätswende voranzubringen.

Die BWIM-Referenten Dr. Uwe Böhme und Marc Le Large stehen am DECOMM-Stand und lächeln in die Kamera.
© BWIM

Welche Daten als Entscheidungsgrundlage für Mobilitätsfragen wichtig sind, darüber diskutierte Marc Le Large (BWIM-Standort Hochschule Karlsruhe) als Referent des Forums „Daten als Hebel für kommunale Mobilitätsqualität“. Am Beispiel des Analysetools mobi.mapr, das eine Bewertung von Mobilitätsqualität auf Knopfdruck ermöglicht, zeigte sich u.a. der herausragende Wert bündelnder Datensätze. Ein Beispiel ist das Kooperationsnetzwerk DELFI e.V., das vertreten durch Marco F. Gennaro als Co-Host das Forum gestaltete. „DELFI bündelt alle ÖPNV-Daten deutschlandweit von allen Verkehrsverbünden und stellt diese kostenlos zur Verfügung. Ohne DELFI müsste ich bei jedem Verkehrsverbund die Daten einzeln holen und normalisieren“, so Marc Le Large.

Im Zusammenspiel mit umfassenden weiteren Informationen zu Verkehrsmitteln, Personengruppen, Aktivitäten und Karten wird daraus im mobi.mapr ein intuitiv nutzbarer Mobilitätsscore: „Eine einfache Aufbereitung von Mobilitätsdaten ist wichtig, um Entscheiderinnen und Entscheidern eine gute Arbeitsgrundlage zu geben“, ist der BWIM-Wissenschaftler überzeugt. Das bestätigten auch die Teilnehmenden des Forums und diskutierten Weiterentwicklungsmöglichkeiten des mobi.mapr. Die Aufnahme von Carsharing ist bereits auf der Agenda. On-Demand-Verkehr könnte ebenfalls integriert werden, wird jedoch bisher nicht systematisch deutschlandweit erfasst.

Das Forum mit Dr. Uwe Böhme (BWIM-Standort HfWU Nürtingen-Geislingen) beschäftigte sich mit der Frage, wie „gesellschaftliche Energien“ zur Gestaltung von Mobilität gefördert werden können. Der Verkehrsplaner und Mobilitätsforscher kümmert sich federführend um Weiterentwicklung und wissenschaftliche Fragestellungen des Netzwerks „ZIMT – Zusammen für soziale Innovationen der Mobilitätswende“. Obwohl Partizipationsformate und Kooperationen von Bürgerinitiativen mit Verwaltungen weitgehend als Win-Win-Situation gesehen würden, fehle es vielerorts an entsprechenden Rahmenbedingungen. „Die Schnittstelle zwischen Zivilgesellschaft und kommunaler Verwaltung ist entscheidend, um gesellschaftliche Energien aufrechtzuerhalten. Aufgrund fehlender Strukturen geschieht die Zusammenarbeit jedoch vielfach auf informellem Wege“, attestierte Dr. Uwe Böhme. Zugleich motivierte er, die Potenziale über Verwaltungsgrenzen hinweg zu aktivieren.

Die gemeinsame Diskussion von Erfolgsfaktoren und Praxisbeispielen aus Augsburg und Oberursel verdeutlichte: Die Zivilgesellschaft kann als Treiberin nachhaltiger Mobilität eine wichtige Rolle spielen, wenn ihre Einbindung konsequent und integriert gedacht wird. So brauche es neben einem „Kümmerer“ (wie ZIMT) auch die Übersetzung und den Draht in die Politik. Initiativen, Bürgerinnen und Bürger wiederum müssten informiert sein, wie sie zielorientiert mit der Verwaltung zusammenarbeiten können. Und auch mit Blick auf soziale Innovationen zeigte sich: Ein gute Datengrundlage ist hilfreich, um das kommunale Mobilitätsmanagement im Bereich Beteiligung und bürgerschaftliche Einbindung besser aufzustellen.